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Objektbericht: KiTa Kiel
 
Lärmen erwünscht!

KiTa in Kiel
Lärmen erwünscht!


In Kiel entstand ein bemerkenswerter Neubau mit einer gemischten Nutzung: Während das Erdgeschoss als halboffene Kindertagesstätte dient, befinden sich im Obergeschoss die Verwaltung und Schulungsräume des Nutzers, einem gemeinnützigen Verein. Wichtig war deshalb ein raumakustisches Konzept, welches nur mit einem geeigneten Deckensystem zu erreichen war.



„Nie hätte ich gedacht, dass ein raumakustischer Eingriff in so einem starken Maße die architektonische Wahrnehmung eines Raumes verändern kann.“ Dieser Satz stammt von Sven Friedrichs, dem für das Projekt verantwortlichen Bauleiter des Kieler Architekturbüros brockstedt.bergfeld.petersen.
Tatsächlich wurde für die Räume eine anwendungsbezogene Planung der Raumakustik vorgenommen, mit der die DRK-Heinrich-Schwesternschaft als Nutzer sehr zufrieden ist. Bei der Schwesternschaft handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein innerhalb des Deutschen Roten Kreuzes, der sich insbesondere der Hilfe und Pflege kranker Kinder verschrieben hat. Diese Ausrichtung liegt in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte begründet, ist aber keinesfalls so zu verstehen, dass überwiegend kranke Kinder die Kita besuchen. Vielmehr begreift der gemeinnützige Verein diese Pflegemöglichkeiten als eine seiner Kernkompetenzen und das Angebot als optional. Da es sich zudem empfahl, für die vor allem extern praktizierte Kinderkrankenpflege einen verkehrsgünstigen Standort zu finden, liegt das Gebäude im Kieler Nordwesten nahe des Stadtrings.

Raumkonzept
Das Prinzip der Kinderbetreuung ist ein halboffenes Ganztageskonzept, das zudem eine behutsame Entwöhnung der Kinder von ihren Eltern zu Beginn ihrer Kindergartenzeit ermöglicht.
Kennzeichen dieses pädagogischen Konzeptes ist eine gruppenübergreifende Angebotsstruktur für die Kinder aus dem Krippen- und Elementarbereich. Dass heißt, das die Kinder in ihren Gruppen feste Bezugspersonen und Rituale erleben, sich aber tagsüber an den Angeboten in den einzelnen Räumen orientieren und an diesen je nach Wunsch teilnehmen können. Ein großer Teil nimmt auch dass Freispiel ein, dass hauptsächlich in dem zentral gelegenen und halbgeöffneten Bewegungsraum stattfindet.
Die Elementar- sowie die Krippenräume für die kleineren Kinder sind ringförmig um den Bewegungsraum angeordnet und davon durch einen großzügig gestalteten Flur abgetrennt. Der Flur ist genauso wie der Bewegungsrum zum aktiven Spielen gedacht und daher, wie alle anderen Räume der KiTa, mit Parkett und Fußbodenheizung ausgestattet.
Im gleichen Maße, wie von der Anlage des Grundrisses her kurze Wege eine zentrale Anforderung waren, wurde eine effektive Schallabsorption für alle Bereiche angestrebt.

Frau Maria Lüdeke (Oberin der Heinrich Schwestern): „Bei unserem halboffenen Konzept war es notwendig, dass die akustische Ausstattung dieses auch ermöglicht, ohne einen gewissen Schallpegel zu überschreiten.“


Denn trotz der Angebotsöffnung für die Kinder, sollte in allen Räumen und Bereichen ein angenehmer Lärmpegel nicht überschritten werden, damit sowohl die Kinder sich bei den unterschiedlichen Angeboten konzentrieren können, als auch gute Arbeitsbedingungen für die pädagogischen Mitarbeiterinnen gewährleistet sind.
Ein weiterer pädagogischer Baustein ist die schon erwähnte sanfte Entwöhnung der Kinder von der durchgehenden Präsenz ihrer Eltern am Anfang ihrer Kitazeit. Baulich umgesetzt wurde dieses in Form eines Elterncafés, in das sich die Mütter und Väter am Anfang der Kitazeit zurückziehen können. Das pädagogische Konzept sieht vor, die Trennung von Eltern und Kind sukzessive länger werden zu lassen, bis das Kind eine feste Bindung zu den pädagogischen Mitarbeiterinnen aufgebaut hat.
Auch dieser Bereich ist abgetrennt von einem Regalsystem in den Flurbereich integriert. Maßgeschneidert für die räumlichen Gegebenheiten und für die nutzungsbezogenen Schallursachen erstellte das Akustic-Labor Kiel GmbH (ALK) ein raumakustisches Gutachten. Bedingt durch die in Kindertagesstätten benötigten robusten und somit überwiegend stark Schall reflektierenden Oberflächen, war es notwendig, mit einer abgehängten, schallabsorbierenden Decke zu operieren.

Deckenkonstruktion
Die Abhangdecke wurde komplett aus weißen THERMATEX Alpha - Elementen von Knauf AMF im Format 1250 mm auf 625 mm erstellt. Die im Nassverfahren (Wet-felt) hergestellte vliesbeschichtete Deckenplatte erreicht einen αw-Wert von 0,95 (gemessen nach DIN EN ISO 11654) und erreicht somit die Schallabsorberklasse A.
Montiert wurden die THERMATEX Alpha Platten in einer sichtbaren weißen Unterkonstruktion.
Die Deckenelemente wurden  mit vertiefter Kantenausführung geliefert, so dass die Untersicht etwa 0,5 cm gegenüber dem sichtbaren Profil vorsteht. Das Profil hat eine Nennbreite von 24 mm und bildet gemeinsam mit den verhärteten Kanten der Deckenplatten ein betontes Fugenbild.

Abgehängt wurde die Decke mit bauseits verstellbarenSchnellabhängern.
Bemerkenswert ist auch die außergewöhnliche Geschosshöhe im Erdgeschoss, welche ein Rohbaumass von vollen 4 m aufweist. Davon blieb trotz der Installationen im Deckenhohlraum und der Integration einer Fußbodenheizung in den Estrich immerhin eine lichte Raumhöhe von 3,28 m erhalten.
Mit Hinblick auf eine zusätzliche Nutzungsmöglichkeit des Bewegungsraumes als Vortragssaal, wurde in dessen Decke, wie auch in die des Schulungsraumes im ersten Obergeschoss, zusätzlich ein mittig angeordneter Längsstreifen aus Gipskarton integriert, um so eine optimale Schallausbreitung bei Vorträgen zu gewährleisten. Dieses wurde als integriertes Deckenfeld ausgeführt mit flächenbündiger Unterseite  Beide Deckenflächen bilden eine Einheit, so dass im Hohlraum darüber die Haustechnik ohne Einschränkung verlegt werden konnte. Im Bewegungsraum musste neben den üblichen Stromtrassen zusätzlich eine Zuluft-Anlage installiert werden, denn der zentrale Raum weist grundrissbedingt keinerlei Fenster auf. Auch sind seine drei Oberlichter aufgrund brandschutztechnischer Auflagen nicht zu öffnen. Dabei hat die künstliche Lüftung aber keinerlei heizende oder gar klimatisierende Funktion.



Fazit
Oft wird die Akustik eines Raumes unterschätzt, hat sie doch einen nicht unerheblichen Anteil an der architektonischen Qualität und einem gewissen „Wohlfühl-Faktor“. Ohne entsprechende Maßnahmen kommt es  zum „Aufschaukeln“ von Lärm. Menschen tendieren in Räumen mit  zu langem Nachhall  und zu wenig absorbierenden Materialien den vorhandenen Lärmpegel  unbewusst zu übertönen, sie sprechen entsprechend lauter. Das Übertönen des Umgebungslärms und des eigenen Nachhalls (Echo) führt dazu, dass sich die Gesprächsbeteiligten zunehmend anschreien. Häufig entsteht in solchen Räumen eine Atmosphäre von Stress und Aggression.
Tatsächlich eingetreten ist dieser Effekt im Büro der Vereinsvorsitzenden Maria Lüdecke. Wegen seiner geringen Größe war die relativ kleine Bürofläche zunächst raumakustisch außer Acht gelassen worden. Nach einer entsprechenden baulichen Korrektur zeigten sich alle Beteiligten tief beeindruckt von der hörbar verbesserten Raumakustik und dem gewonnenen Mehrwert. Auch schalldämmende Deckenelemente von AMF zur Reduzierung der Schallübertragung in benachbarte Räume sind wichtige Produkte, um die akustische und somit die architektonische Qualität eines Projektes nachhaltig zu verbessern.

„Es hallt halt nicht durch die Hallen, wenn drei vier Kleine den Flur mit der Rennbahn verwechseln.“
Zitat von Frau Maria Lüdeke




Bautafel:

Planung: Herr Sven Friedrichs, brockstedt.bergfeld.petersen architekten bda, Kiel

Ausführung: KAEFER Construction GmbH, Kiel

Fachberatung Akustikdecken: Lars-Eric Reimer, Knauf AMF GmbH&Co.KG,



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